Akupunktur bei chronischen Schmerzen


Schmerz-Akupunktur       (weitere Schmerzthemen unten auf dieser Seite)

Die Akupunktur entstammt der traditionsreichen chinesischen Heilkunst des 2. Jahrtausends v.Chr. und ist in Europa seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Das Wirkungsprinzip der Akupunktur ist bisher nicht vollständig erklärt, es dürfte jedoch auf der Regulation gestörter Funktionskreise, also auf der Wiederherstellung der Harmonie im Wechselspiel zwischen Yin und Yang entsprechend der traditionellen chinesischen Lehre beruhen. In der Literatur gibt es Hinweise, daß eine Akupunktur -Behandlung endogene Opiate (Pomeranz 1989) und biogene Amine, so Histamin und Serotonin, beeinflußt (Richter, Becker 1992).

Die Beschreibung der Meridianverläufe und Punktetopographie würde den Rahmen dieser Akupunktur -Webseite sprengen; sie sind in zahlreichen Büchern (z.B. Stiefvater 1973, Bachmann 1980, Stux 1989) beschrieben und können in Kursen der Fachgesellschaften für Akupunktur erlernt werden. Diese Kenntnisse sind für eine erfolgreiche Therapie notwendige Voraussetzung, ein einfacher Locus-dolendi-Stich (= Einstich an der schmerzhaften Stelle) mißversteht das Wesen dieser komplexen Therapie und wird zweckdienlich besser als therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) ausgeführt.

Die Akupunktur hat sich besonders bei folgenden Indikationen (= Anzeigen) bewährt:
Migräne und andere Kopfschmerzformen, muskuloskelettale (= Muskeln und Knochen betreffende) Schmerzen (Dorsalgien (= Rückenschmerzen), Arthralgien (= Gelenkschmerzen), Interkostalneuralgie (= Rippenschmerzen) (Stux 1993) sowie Psychosomatosen (Kossmann et al. 1986).

Traditionell werden Kenntnis und Anwendung der chinesischen Pulsdiagnostik zur notwendigen Voraussetzung erklärt; die Meinungen der Praktiker sind hierzu jedoch geteilt (Bachmann 1980, Stiefvater 1973).

Sicherlich sind jedoch sensitive Aufmerksamkeit für den Patienten, Gelassenheit des Therapeuten und Ruhe im Behandlungsraum wesentliche Bedingungen für eine erfolgreiche Akupunktur. Die sensitive Aufmerksam des Therapeuten für den Patienten kommt im allgemeinen dem Zuwendungsbedürfnis der Betroffenen sehr entgegen, so daß allein aus dieser Tatsache heraus ein mehr oder weniger ausgeprägter Placebo-Effekt (= Wirkung eines Scheinmedikaments) nicht ausgeschlossen werden kann, zumal die wissenschaftliche Grundlage dieser Methode bislang ja fehlt.

Weiterentwicklungen der klassischen Akupunktur sind die nadellose Laser-Stimulation, die Elektropunktur (transkutane elektrische Punktstimulation) nach Heyden-Reich (1981) und die TENS-ähnliche elektrostimulierte Akupunktur (ESA).

Die analgetische Wirksamkeit einer elektrostimulierten Akupunktur konnte von Leeser et Baur (1980) nachgewiesen werden. Sie verglichen die analgetische Wirkung der elektrostimulierten Akupunktur an den Punkten Di4, M36, N8 und B60 mit der einer Analgosedierung mittels Flunitrazepam und Pentazocin. Definierter Schmerzreiz war bei den untersuchten Patienten der Einschuß eines Kontrastmittels unter hohem Druck zur Angiographie (= Darstellung von Blutgefäßen mittels Röntgenkontrastmittel) der Becken- und Beinarterien. Die erreichte Hypalgesie (= herabgesetztes Schmerzempfinden) erwies sich für beide Methoden, sowohl in der subjektiven Bewertung als auch im Parameter "Anstieg der freien Fettsäuren im Serum" als Folge des schmerzinduzierten Adrenalinanstieges, als absolut gleichwertig.

Komplikationsmöglichkeiten bei der Akupunktur -Behandlung:

Infektionsgefahr (= Einbringen von Bakterien, Viren) bei mangelhafter Sterilisation der Nadeln (deshalb besser Verwendung von Einmal-Nadeln)
Blutung bei Gerinnungsstörungen (Kontrolle Quick, PTT)
Pneumothorax (= Luft zwischen Lunge und Brustwand) bei versehentlicher Pleurapunktion (= Verletzung der Brustfelles) durch zu tiefe Nadelung im Thoraxbereich (= Brustkorbbereich)
Kontraindikationen (= was gegen eine Akupunktur -Behandlung spricht):

Möglicherweise Schwangerschaft (Wirkung jedoch noch ungeklärt) (Luu et Boureau 1989)
Begleitende Steroidtherapie (Stiefvater 1973)
Zustand nach Radiatio (= Bestrahlung bei Krebs) im zu stimulierenden Areal
 

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